Financing Books with Crowdfunding

(copyleft) www.verkami.com/projects/1303-manual-de-desobediencia-economica
Currently there are a lot of reports about how to finance projects without bank loans, debt and other conventional methods of financing. These range from swapping to methodes like the Vermögenspool (german). Another method is crowdfunding, which means to finance projects through a donation platform like betterplace.org.
The advantage of this kind of financing is that you have a funding commitment even before the start of the project.Very popular is this method for example for the financing of books, which are then often offered free as an eBook or printed . I want to recommend two of these books.
- Sophia Novack is an apassionate permaculture geek and environmental activist (as she says), studying in Prague, Czech Republic, and author of the permuculture media blog as well as the permuculture directory with lots of permaculture design courses around the world. She wants to write a free eBook on Urban Permaculture as well as create an permaculture Q&A and a wiki site. You can support her project on http://www.indiegogo.com/OpenPermaculture
- The second one is a manual in spanish language on economic disobedience written by a group of people called derecho de rebelion (right to rebellion). The book will be published free on the Internet and als 5000 copiesas a paper edition. You can contribute to this project on http://www.verkami.com/projects/1303-manual-de-desobediencia-economica
Most of the crowdfunding projects have one thing in common: you get perks if you support the project. So let’s contribute and make the world a better place ;-)
Biologische Agrarindustrie

Wer hat sich die Frage nicht schon gestellt: “Wieso zahle ich für meinen täglichen Bio-Einkauf bei Hofer (Aldi in Deutschland und weltweit) etwa 1/3 weniger als im Bio-Supermarkt und gar nur die Hälfte im Vergleich zu einem Bio-Greisler?” Es gab darauf schon bisher viele Antworten: günstigeres Vertriebskonzept, Großeinkauf, … doch irgendwie war alles nicht ganz schlüssig.
Ein weiterer Aspekt hat mich bei “Bio” immer öfter gestört: Sowohl Verpackung, als auch Bewerbung der Produkte glichen immer mehr den konventionellen Produkten. Wer dieser Tage auf die Biofach in Nürnberg geht, der kann den Trend ganz eindeutig beobachten. Männer im Business-Anzug, Frauen gestylt wie aus dem Katalog. Mit langen Haaren und bunter Jacke kommt man sich dort wirklich verloren vor.
Bio-Marketing
Clemens G. Arvay gibt in seinem neuesten Buch “Der große Bioschmäh – wie uns die Lebensmittelkonzerne an der Nase herumführen” klare Antworten auf viele offene Fragen. Wem ist es nicht schon aufgefallen? Bauernhofidylle mit freilaufenden Hühnern und sprechenden, glücklichen Schweinen in der Werbung und dann in tausenden Filialen die gleichen Produkte. Da fehlt doch irgendein Glied in der Kette. Die Antwort fällt sehr deutlich aus:
“Wir wollen den Eindruck des Retro-Bauerntums erwecken. Mit Monokulturen und industriellen Mähdreschern spricht man niemanden an.” Gleich darauf stimmt der Gesprächspartner, ein Werbefachmann, dem Autor des Buches zu, dass industrielle Mähdrescher und Monokulturen die Realität auch in der biologischen Agrarindustrie sind. Information sei nicht die Aufgabe der Marketing-Agenturen, ergänzt er dann noch ganz unverblümt. Warum verwundert mich das nicht. Es geht ja schließlich nur darum alles an möglichst viele zu verkaufen. Information hat auch mit Wahrheit zu tun. Kann man also sagen, dass auch die Wahrheit vermitteln nicht die Aufgabe der Marketing-Argenturen ist? Der Konsument ist dann nur noch ein potentielles Käufergehirn, schließt Arvay daraus. Das Zielpublikum für die Produkte sind DINKS (Double Income – No Kids). Menschen also, die viel Geld haben und den ganzen Tag dafür arbeiten sich alles leisten zu können. Die Bioernährung ist Teil dieser Philosophie. Die DINKS bekommen dann noch den Beinamen LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability). Ob diese Lebensform Zukunft hat? Wie sieht der Markt für solche Menschen (“No Kids”!!) in 20-30 Jahren aus? In die Zukunft blicken ist also weder für die Marketing-Industrie noch für den “Biolandbau” eine sinnvolle Strategie. Wir leben ja schließlich heute und nicht morgen!?
Die Kritik
Clemens G. Arvay betätigt sich für die Recherchen seines Buches als Detektiv. Offene Türen und Menschen, die frei und ungezwungen mit ihm sprechen findet er kaum. Er muss verdeckt ermitteln. Diese Herangehensweise an das Thema macht das Buch sehr spannend. Es werden Türen geöffnet in “geheime” Welten, die man so nicht wirklich vermutet. Ein paar Beispiele aus dem Buch:
- In mehr als drei Viertel der Bioställe des Landes sind die Rinder während des Großteils ihres Lebens in Ketten gelegt
- Ihnen werden meist nur 1 bis 2 Stunden Auslauf vor dem Stall gegönnt (von Weide ist hier noch gar nicht die Rede)
- Während man in der konventionellen Eierproduktion sieben Hennen pro m² Stallfläche halten darf, sind es in der kontrolliert biologischen sechs
- Der vorgeschrieben Auslauf wird von den Hennen kaum genutzt, weil die Fläche hühnerfeindlich ist (exponiert und ohne Schutz durch Bäume und Sträucher)
- Zudem sind die Luken schon bei der kleinsten Verschmutzung draußen geschlossen, weil sonst die Eier schmutzig werden und sich nicht mehr so gut verkaufen lassen.
- …
Und immer wieder wird die Fehlinformation durch die Werbung für die Bioprodukte thematisiert. Da steht ein gewisser “Joe” mit seiner Unterschrift als Bürge für die Qualität einiger natur*pur-Produkte von Spar gerade. Doch dieser “Joe” weiß nur, wie es dazu kam, dass seine Unterschrift unter die Produkte gesetzt wurde: Irgendwann sei man mit dem Anliegen an ihn herangetreten. Es hieß, die Unterschrift solle auf die Verpackungen von Soja-Produkten gedruckt werden. Ob seine Sojabohnen in den Produkten verarbeitet seien, wisse er nicht. Das eigentlich Bemerkenswerte aber ist: Die Produkte, auf denen Joes Unterschrift ist, beinhalten zahlreiche andere wertgebende Rohstoffe als bloß Soja, schreibt Clemens G. Arvay.
Ein weiteres trauriges Kapitel ist der Transport und die Schlachtung von Tieren. Da werden männliche Küken gleich nach dem Entschlüpfen aus dem Ei durch das Todeskarussel geschickt, Hühner und Schafe industriell betäubt und geschlachtet und auch der Transport zum Schlachthof ist keineswegs tiergerecht. Vielfach werden Tiere aus biologischer Tierhaltung gemeinsam mit und auf die selbe Art und Weise wie solche aus konventioneller transportiert.
Weitere Beispiele im Buch reichen von Brot bis Gemüse und Obst. Das Resumee ist überall das Gleiche. Bei der Produktion werden zwar keine chemischen Keulen wie in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt. Sonst unterscheidet sich diese aber kaum vom Bio(TM)-Landbau, wie Arvay ihn bezeichnet. Der konventionelle Lebensmittelhandel sei an der Bio-Idee nur so lange interessiert, solange sie die Umsätze ordentlich angekurbelt. Unsere Supermarktkonzerne sind die Akteure, die regelrechten Verursacher der konventionellen Lebensmittelindustrie, nicht aber Verfechter des Ökolandbaus. Thilo Bode schreibt in seinem Buch “Die Essensfälscher”: “Mit dem, an sich erfreulichen, Bedeutungs- und Umsatzzuwachs des Marktes für Biolebensmittel wächst leider auch die Tendenz, den ursprünglichen Qualitätsanspruch von Bio zu verwässern und zu verraten.”
Die Alternativen
Bei soviel Kritik fragt man sich natürlich auch nach den Alternativen. Der Autor lässt einen auch da nicht unwissend zurück. Neben einem kurzen historischen Abriss über den ökologischen Landbau (bezeichnend hier auch der Unterschied zwischen Öko- und Biolandbau) werden Alternative Stimmen gehört und alternative Konzepte präsentiert. Menschen, die mit einer “Hühnerherde” von 400 Stück ausreichend Einkommen haben, wo andere mit 10000 “Landwirtschaft” nur im Nebenerwerb betreiben können. Menschen, die das direkte Gespräch mit ihren Kunden im Bio-Laden suchen und darin das beste Marketing sehen. Neben Lebensmittelkooperativen wird auch das Konzept der solidarischen Landwirtschaft, allgemein bekannt unter der Bezeichnung Community supported Agriculture (CSA), vorgestellt.
Mein Resumee
Das Buch von Clemens G. Arvay ist nicht nur sehr informativ, sondern liest sich sehr spannend von Anfang bis Ende. Die gezeigten Beispiele sind durch persönliche Recherchen und Besuche bei den betroffenen Betrieben belegt und zeigen deutlich, dass das Bild, das sich die biologische Agrarindustrie in der Öffentlichkeit in Form eines Retro-Bauertums selbst gibt, von der gelebten Praxis sehr weit entfernt ist.
Die Darstellung der Alternativen erinnert mich wieder an die Diskussion über LOHAS und LOVOS bzw. Öko 1.0 oder 2.0 über die ich nun schon mehrfach selbst berichtet habe (hier und hier). Es scheint so, dass “Entwicklung” immer in die Richtung von höherer Technisierung und Automatisierung geht. Dabei werden meist zwei Aspekte der Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und Ökologie, zugunsten des dritten Aspekts, der Ökonomie, zurückgedrängt. Wenn alle 3 Aspekte betrachtet würden, dann wären die alternativen Konzepte Lebensmittelkooperativen und CSA – bzw. die Konzepte und Idee, die dahinter stehen – wohl eher vermarktbar. Die Werbeindustrie könnte folglich den Kunden auch wieder Informieren anstatt in derart offensichtlich zu manipulieren.
Natürlich genieße ich es auch oft genug in jedem Supermarkt ein umfassendes Angebot an Bio-Produkten zu finden. Bei aller Kritik halten sie vermutlich noch immer den Vergleich mit konventionellen Produkten stand. Wenn man sich aber einmal an die erwähnten Alternativen gewöhnt hat, dann ist auch deren Nutzung weniger Aufwand, als es im ersten Moment erscheint. Clemens G. Arvay gibt einen Anstoß zum Nachdenken und Handeln. Als KonsumentInnen haben wir es in der Hand, wie mit uns und unserer Umwelt umgegangen wird.
Für meine Bloggerkollegen, die sich in 2 Wochen zum fünften Mal im Rahmen der Biofach treffen könnte dieses Buch ein interessanter Input sein, bevor sie durch die Hallen der “Leitmesse” gehen und die Produkte begutachten.
Permakultur Filmbeitrag im Rahmen von Parque del Sol 2011
Mein kleiner Beitrag zum Thema Permakultur in der Free University im Rahmen des parque del sol Festivals vom Verein Lames in St. Pölten.
Ein Bauernhof für die Zukunft
Rebecca Hoskins kehrt nach Jahren der Arbeit als Wildlife-Filmemacherin auf den Hof ihre Eltern zurück und macht sich Gedanken darüber, wie ein Bauernhof der Zukunft aussehen kann.
Aus diesen Gedanken wird ein wunderbarer Dokumentarfilm, den BBC in der Reihe Natural World ausstrahlt (auf englisch). Einige der Gedanken werden von bekannten britischen Permakultur-Fachleuten wie Patrick Whitefield oder Chris und Lyn Dixon.
Besonders spannend finde ich die Episode ab Minute 25. Dort wird eine Praxis in Frage gestellt, die unsere moderne Landwirtschaft komplett in Frage stellt: Pflügen. Zwei Bilder sind da besonders Stark. Ein Traktor, der in den 80ern eine Wiese auf Rebeccas Mutterland pflügt und dann 20 Jahre danach den selben Acker wieder pflügt. Die Fehlenden Vögel beim zweiten Bild zeigen, wie sich er Boden verändert hat. Und im Anschluss daran eine Erklärung, was die konventionelle Landschaft macht, damit in diesem “toten” Boden wieder Pflanzen wachsen. Die Logik dieser Landwirtschaft ist so unnatürlich, wie vieles Anderen auch in unserem aktuellen System.
Brauchen wir eine zweite Krise?
Natürlich ist diese Frage grundsätzlich mit Nein zu beantworten. Aber nicht, weil ich eine Krise problematisch finde, sondern weil wir meiner Meinung nach durch die erste Krise gar nie wirklich durchgekommen sind. Die Erholungsrufe im letzten Jahr mit wieder steigenden Wachstumsraten waren ein Echo aus einer vergangenen Zeit, das gezeigt hat, dass insbesondere viele Wirtschaftstreibende und Ökonomen die Krise selbst vollkommen anders -um nicht zu sagen falsch – bewertet haben als beispielsweise ATTAC oder weitblickende, nicht kapitalistisch geblendete Ökonomen.
“Eine Krise besteht darin, dass das Alte stirbt und das Neue nicht geboren werden kann.”, hat der große Philosoph und Schriftsteller Antonio Gramsci bereits um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert gesagt.
Ich denke, besser kann man die derzeitige Situation nicht beschreiben. In Griechenland werden die gleichen Methoden gefordert, wie sie IWF, Währungsfond und all die anderen Proponenten immer wieder fordern: vereinfacht Privatisierung und Steuern rauf.
Heute muss das griechische Parlament darüber entscheiden, ob es dieser Strategie zustimmt. Gleichzeitig werden hunderttausende Menschen auf der Straße protestieren. Menschen, denen insbesondere die österreichischen Medien nachsagen, dass sie realitätsfern sind, dass sie ihre Schuld an der Krise nicht anerkennen wollen. Dabei zeigen die Proteste in ganz Europa, die insbesondere von Spanien ausgehen ganz deutlich, dass dieser Protest quer durch alle Bevölkerungsschichten geht und sich eindeutig gegen ein System richtig, das durch die Forderungen, die jetzt an Griechenland gestellt werden, nie in Frage gestellt wird.
Was wird passieren, wenn Griechenland seine staatlichen Betriebe privatisiert? Wer werden die KäuferInnen sein? Wer die GewinnerInnen des Verkaufs? in einem System, in dem 18% angeben, dass sie Bestechungsgelder zahlen (laut Transparency International – Übrigens werden auch für Österreich 10% angegeben!!). Sitzen die potentielle zukünftigen Käufer nicht gerade eben in zentralen Positionen in genau den Institutionen, die die Privatisierung so sehr vorantreiben und quasi als Allheilmittel für die Sanierung von Staatshaushalten sehen? Vielleicht bin ich ja ein wenig naiv, aber mir kommt dabei immer wieder die Frage auf, wieso dann in einer Krise wie 2008 die Staaten den vorher privatisierten Banken (die Bank Austria in Österreich ist doch so eine, oder?) unter die Arme greifen müssen, wenn Privatisierung eine Lösung ist. Klar hört man von vielen Seiten, dass das ganze Finanzsystem daran hängt und die Rettung der Bank zu unser aller Nutzen ist. Doch die ganze Komplexität dahinter und ob das System grundlegend überhaupt noch richtig ist, kann mir niemand schlüssig erklären. Ein Ökonom der Wirtschaftskammer hat mir einmal gesagt, dass unsere Volkswirtschaften einfach nur ein riesengroßer Feldversuch sind, der bereits ein wenig (??) aus den Fugen geraten ist. Die Meisten erkennen den “Versuch” darin schon gar nicht mehr, sondern betrachten das System als “einzige Realität”. Versuche haben im Gegensatz zur Realität grundlegend einen Anfang und meist auch ein Ende und sie müssen reproduzierbar sein um zu Ergebnissen zu kommen. In diesem Sinne sehe ich den “Versuch Kapitalismus” als gescheitert an und kann die Anfangs gestellte Frage nur noch einmal mit NEIN beantworten: Es gibt keine zweite Krise. Wir stecken noch immer tief in der ersten Krise von 2008 drinnen und müssen es endlich zulassen, dass das Neue geboren werden kann.
Partizipative Demokratie

Ich bin ein politisch denkender Mensch. Ich glaube nicht an die reine Selbstregulierung des Marktes durch Angebot und Nachfrage und messe dem Konsumenten auch nur beschränkte Lenkungsmacht zu. Zu glauben, dass man die Welt durch Konsum verändern kann, ist für mich einer der großen Schwindel des Marketings, dem viele erliegen. So sind es denn auch Werbe- und Marketingmenschen und -plattformen, die dieses “Weltverbessern durch (strategischen) Konsum” am lautesten Trommeln. Und wie Schafe laufen ihnen tausende Menschen nach im Glauben nun endlich ihr Geld für das Gute ausgeben zu können.
Gleichzeitig wird Politik immer mehr nach den gleichen Spielregeln der Werbung betrieben. Hochbezahlte PolitikerInnen wurschteln in zwanghaft eingegangenen Koalitionen von einem Wahltermin zum anderen, ohne klar erkenntlichem Ziel oder gar einer Vision. Vor den Wahlen wird dann alles (Steuer)Geld in sinnlose Kampagnen gebuttert, die nur eines zum Ziel haben: ausreichend Schafe WählerInnen bis zum letzten Tag mit Konzepten und Ideen einzulullen, damit man gewählt wird. Die beste Strategie dabei scheint zu sein, andere zu finden, die man niedermachen kann. Sei es nun Menschen einer anderen Partei, Hautfarbe, Religion, Ethnie, was weiß ich. Die Konzepte dienen nur der Propaganda. Kein Hahn kräht nach der Wahl danach. Das Ziel war auch nicht das Langzeitgedächtnis, sondern einfach nur die kurzfristige Beeinflussung (oder ist es gar Manipulation?) um an diesem einen Tag Stimmen zu lukrieren.
Da wir nun also vor der Wahl durch die Millionenbudgets der Parteien manipuliert werden, zählt unsere Stimme im nachhinein auch genau gar nichts. Keiner fragt mehr, ob die Gesetze oder sonstigen Regelwerke, die danach meist von einer einfachen Mehrheit (das ist eben Demokratie) beschlossen werden auch dem entsprechen, wofür man seine Stimme abgegeben hat. Das Tempo – insbesondere nach den Wahlen – dabei ist berauschen. Klar, denn Vergessen ist eines der Dinge, die wir Österreicher (und vermutlich auch viele andere) bestens können. Darin sind wir geübt. Wir sitzen die Dinge einfach aus. Es nennt sich dann die österreichische Gemütlichkeit. Ist einmal etwas Gras darüber gewachsen, dann wird schon keineR mehr schreien. Bei der nächsten Wahl kann man seine Manipulationsmaschinerie wieder neu beginnen.
Worauf will ich nun eigentlich hinaus. Ich will hier nämlich nicht die omnipräsente Politikverdrossenheit breit treten. Ganz im Gegenteil. Viele (jungen) Menschen haben einen sehr starken Gestaltungswunsch. Dieser Wunsch wird in Hörsaalbesetzungen, stillen Protesten oder Alternativenformen ausgedrückt. In Spanien ist man nun einen Schritt weitergegangen. Seit knapp einem Monat fordern Tausende, nein Hunderttausende auf den Straßen und öffentlichen Plätzen vieler Städte lautstark “Echte Demokratie jetzt!” (Democracia real ya!) und haben damit die Spanische Revolution (#spanishrevolution) ausgerufen. Die Medien bei uns berichten kaum darüber. Auch das wundert mich nicht wirklich, sind sie doch auch ferngesteuert durch irgendwelche undurchschaubaren Machtinteressen. Die Umbrüche in Arabien sind täglich Meldungen wert. Der einzige Unterschied: Sie richten sich gegen Diktaturen und werden vielfach gewaltsam unterdrückt (OK, vielleicht gibt es noch viele andere Unterschiede, die mir nicht so augenscheinlich sind. Die Nichtberichterstattung in den Medien ist mir dennoch nicht klar). Eine Vermutung, warum die Massenmedien nicht berichten über die Geschehnisse in Spanien (und zwischenzeitlich auch in Griechenland, Frankreich und vielen anderen Ländern, darunter auch ein kleine Bewegung in Österreich) ist, dass die Urlaubssaison unmittelbar bevorsteht und man fürchtet, dass es zu massiven Einbrüchen in den betroffen Ländern kommen könnte. Weit her geholt? Was ist in Ägyten passiert?
OK, aber ich bin noch immer nicht dort, wo ich eigentlich hin will, nämlich bei der partizipativen Demokratie. Die Menschen in Spanien (und vielen anderen Ländern) trauen den PolitikerInnen nicht mehr zu, dass sie die Probleme unserer Zeit bewältigen. Sie sind zu weit von ihrem Stimmvolk weg und zu sehr mit den Mächtigen (warum eigentlich sind sie so mächtig? Weil sie viel Geld haben und meinen, damit über andere herrschen zu können?) verbandelt. Und sie manipulieren uns kurz vor jeder Wahl (hab ich das schon gesagt? ;-)
Island zeigt nun einen völlig neuen Weg vor und bindet seine Bürger sogar bei der Erstellung einer neuen Verfassung ein. Die Vorteile eines kleinen Landes sind – insbesondere wegen der eigenen Sprache – dass dies ganz öffentlich passieren kann, bspw. über Facebook. Ein Komitee aus Experten und Laien berät laufend über die Inputs und daraus wird am Ende die Verfassung erarbeitet. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis und freue mich für meine isländischen Freunde, dass sie an diesem historischen Experiment teilhaben können.
Formen der partizipativen Demokratie gibt es aber viele, beispielsweise in der Schweiz, in Brasilien, wo, wie in Porto Allegre, Budgets partizipativ erstellt werden, oder bei den Zapatisten, wo Vertreter aller Gruppen konsensual in langen Diskussionen zu gemeinsamen Strategien kommen. Auch unser Parlamentarismus ist hier zu hinterfragen. Hier wird eine Infrastruktur aufrecht erhalten, die ein Vermögen kostet. Dabei investieren einige Gruppen viel (ehrenamtliche) Zeit, um Gesetzesvorlagen zu lesen und zu kommentieren, wie bspw. NGOs und werden dann gar nicht gehört, weil sie keine Vertretung im Parlament haben. Wieder sind es hier viele junge Menschen, die sich engagieren und Blogs und Plattformen nutzen, um ihre Ideen zu präsentieren und andere zur Diskussion darüber einladen. Die Rückmeldung von Journalismus-Größen wie Armin Wolf (den ich übrigens sehr schätze), die sich ebenfalls in Blogs und auf sozialen Plattformen wie insbesondere Twitter tummeln ist dann, dass es in Österreich keine namhaften BloggerInnen gibt, deren Beiträge es in die Medien schaffen, oder diesen gar ein Thema vorgeben. Liegt das an den Themen und der Reichweite der Blogs, oder an der Struktur unsrer Medienlandschaft?
Gerade heute morgen wurde im Ö1-Morgenjournal über die Bewegungen in Griechenland berichtet. Da wird dann gesagt, dass die Menschen, die sich täglich auf die Straße begeben immer wieder klar machen, dass sie sich keiner Partei zugehörig fühlen. Eine Besonderheit in Griechenland, weil die Lager sehr stark und in der Bevölkerung tief verwurzelt sind. Diese Nicht-Zugehörigkeit wird dann im nächsten Satz aber als Politikverdrossenheit beschrieben. Doch wieso gehen die Menschen dann jeden Tag auf die Straße? Für mich ist das ein ganz deutliches Zeichen für einen starken Gestaltungswillen. Und Politik ist nun einmal Gestaltung unserer Gesellschafft. Auf Wiktionary wird eine Bedeutung von Politik sogar so beschrieben: “an bestimmten Leitideen ausgerichtetes Handeln einzelner Personen oder Personengruppen”. Dass dies nur Parteien sein können, wird nirgends gesagt. Daher ist ein Frust über die derzeitige Parteienlandschaft (den es ja bei uns auch gibt) nicht gleich zu setzen mit Politikverdrossenheit. Er richtet sich vielmehr an die Klientelpolitik der Kammern, Parteien und sonstigen Vertretungen, an die Verbandelung von Politik und Wirtschaft oftmals zugunsten derer, die stark Lobbyieren oder schon jetzt viel mehr Macht als andere haben. Er richtig sich an die fehelnde Möglichkeit mitzureden und mit zu gestalten, daran, dass zu viel hinter verschlossenen Türen verhandelt und vereinvart wird und erst die Ergebisse kurz vor einer Abstimmung präsentiert werden. Er richtet sich an Strukturen, die einige Wenige (und immer wieder die Gleichen) begünstigen und weit weg von den wahren Bedürfnissen vieler anderer agieren.
Der neue “Europäische Sommer” ist ein deutlicher Ausdruck dafür, dass wir uns gesellschaftlich und politisch engagieren wollen. Das Vertrauen, dass dies innerhalb der bestehenden Strukturen insbesondere der Parteien und ihrer Klientelpolitik (damit sind auch Vertretungen wie Kammern und sonstige IVs gemeint) passieren kann, ist uns aber verloren gegangen. Daher fordern wir eine Änderung des politischen Systems hin zu einer echte partizipativen Demokratie:
Echte Demokratie JETZT!
¡Democracia real YA!
Europäischer Frühling nach arabischen Vorbild

#spanishrevolution
Am 15. Mai 2011 fand in Spanien der erste “Tag des Zorns” unter dem Motto “Toma La Calle” nach arabischem Vorbild statt. Tausende Menschen versammelten sich zum friedlichen Protest auf der Puerta Del Sol. Seitdem ist der Protest in Spanien nicht mehr aufzuhalten und schwappt zunehmend auf andere europäische Staaten über. Die Message der Menschen ist sehr deutlich: die Lösungen, die die Politik insbesondere nach der Wirtschaftskrise – aber natürlich auch mit all dem, was zur Wirtschaftskrise geführt hat – anbietet sind unzureichend.
Wir werden in unseren Alltagsproblemen erstickt, sodass wir nicht mehr vernünftig auf die Änderungen, die uns alle in naher Zukunft treffen werden, reagieren können. Nach den ersten Protesten in Spanien haben die alten Medien geschwiegen. Doch die neuen Medien wie Twitter oder Facebook bzw. diverse Blogs gehen, wie schon im arabischen Raum voran.
Die Presse berichtet als eine der ersten großen österreichischen Zeitungen nun schon seit einige Tagen aktiv über die #spanishrevolution und den neuen Europäischen Frühling. Für mich beschreibt der Protest jedoch nicht, wie ebenfalls berichtet wird, eine Schizophrene Haltung zur Politik, sondern vielmehr eine starke Repolitisierung der Gesellschaft. Insbesondere jungen Menschen wird ja schon seit Jahren eine zunehmende Politikverdrossenheit attestiert. Die Verdrossenheit richtet sich dabei aber nicht gegen die Politik, sondern vielmehr gegen das politische Establishment der Altparteien (und dazu gehören für mich spätestens seit den gescheiterten Grünen Vorwahlen auch die Grünen Österreichs). Statt in der Politik organisieren sich die Menschen auf vielfältigste Weise, sei es nun in Form von Alternativforen und Transition Town Initiativen oder in Form einer Lichterkette vor dem Wiener Parlament und arbeiten damit an hochpolitischen Themen. Einzig eine Vertretung im Parlament, die diese Arbeit auch in Gesetze und Rahmenbedingungen gießt, fehlt. Wenn man sich in der parlamentarischen Demokratie in Österreich engagieren will, dann geht das nur indem man einer der 5 Parteien im Parlament beitritt. Volksabstimmungen und Volksbegehren oder dgl. verkommen zu politisch motiviertem Aktionismus xenophober Politiker oder werden vom politischen Establishment einfach ignoriert, wie am Beispiel des Gentechnik-Volksbegehrens in Österreich deutlich zu sehen ist (“hat außerparlamentarisch viel bewirkt”, Peter Weish). Als Folge wird auch diese Art der Mitbestimmung von immer weniger Menschen genutzt (siehe Euratom Volksbegehren). Die Zeichen stehen damit für zukünftige Initiativen wie das Bildungsvolksbegehren ebenfalls schlecht.
Was bleibt ist die Straße. Aber auch da zählt bisher der einfache Protest nur wenig. Die FahrradfahrerInnen nehmen die Straße nun schon seit Jahren einmal pro Monat in Anspruch und demonstrieren damit gegen die (flächenmäßige) Übermacht der AutofahrerInnen. Im Jahr 2000 haben die Donnerstagsdemos Wien für einige Zeit bewegt und knapp 10 Jahre später waren es die StudentInnen, die unter dem Motto #unibrennt Hörsäle besetzten und die Straße einnahmen. Doch auch dieser Protest ist politisch verhallt.
Die Menschen, die hinter all diesen Protesten stehen gibt es aber noch immer und ihre Einstellung hat sich vermutlich nicht grundlegend verändert. Wenn jemand das Gefühl hat nicht gehört oder ignoriert zu werden, dann kann er sich entweder nach innen kehren oder laut nach außen schreien. Zweiteres passiert nun meiner Meinung nach. Und das ist auch ganz wichtig, denn wenn die Menschen kein Ventil dafür haben ihren Frust friedlich (das ist ganz wichtig bei der neuen Bewegung!!!) nach außen zu tragen, dann verhärtet sich dieses Gefühl und stärkt den Wunsch nach einem heilbringenden Messias. Nicht selten wird dieser dann in Personen gefunden, die bei mir persönlich das Gefühl von Angst auslösen, wie rau in seinem Einserkastl schreibt.
Wir müssen also neue Wege finden um den Frust auszuleben, auf friedliche und lustvolle Art und Weise, nicht hinter dem Schreibtisch (i.e. Computer), sondern sichtbar und laut. Ich wünsche mir für mich, meine Vorfahren, die noch leben und die Nachkommen einen neuen politischen Wind. Vorher muss ein mäßiger Orkan aber das System, wie es derzeit gelebt wird, ausputzen und Platz machen für das Neue, das überall bereits keimt.
Machen wir Platz für den europäischen Frühling. Folgen wir dem Beispiel vieler arabischer Länder. Es gibt hier zwar keine Diktatoren zu vertreiben. Doch spielen auch hier bereits viele alteingesessene Menschen ein Spiel, das nicht mehr den demokratischen Grundsätzen (gr. ??????????, von ????? [d?mos], „Volk“, und ?????? [kratía], „Herrschaft“) entspricht.
Weitere Infos und Aktionen:
- Folgen auf Twitter @autrevolution
- Facebook-Seite: http://www.facebook.com/pages/Austrian-Revolution/116803818403271
- Facebook-Gruppe: http://www.facebook.com/home.php?sk=group_211825472184467
Filmtipps zu Humus, Dreck, Erde
Hier zwei Filmtipps zu den Themen Humus, Dreck, Erde, Leben, …
Dirt
via: karmakonsum
Humus
Den Trailer zum Video kamm man sich auf der offiziellen Website anschauen. (ich schaffe es gerade nicht ihn hier einzubinden!)
Der Boden unter unseren Füßen wird häufig mit eben diesen getreten. Doch unser ganzes Leben beginnt dort. Der Verschwenderische Umgang damit ist äußerst bedenklich und gefährlich.
Moosgraffiti

via http://www.rebelart.net
Subversiv künstlerisch tätig sind ja viele. Jetzt kommt auch noch der Begriff ölologisch dazu und wir sind beim Moosgraffiti. Hier ein Rezept dazu:
- Eine gute Handvoll Moos (grob gereinigt)
- 2-3 Tassen Buttermilch oder Joghurt
- (manche verwenden stattdessen auch Bier)
- Einen Teelöffel Zucker
- etwas Wasser
alles in den Mixer und bei niedriger Stufe mixen. In ein Gefäß abfüllen und auf zum geeigneten Standort. Dieser sollte feucht und schattig sein und eine raue Oberfläche haben. Pinsel auspacken und loslegen.
Wenn der gewählte Ort nicht von Natur aus regelmäßig befeuchtet wird, dann sollte man von Zeit zu Zeit einmal mit einer Sprühflasche daran vorbeigehen und das Moos befeuchten.
Hier gibt es auch noch eine schöne bebilderte Anleitung.
Weitere Tipps und Bilder:
- http://www.guerillagaertner.com/images/download/moosgraffiti.pdf
- http://kampolerta.blogspot.com/2011/04/knutschen-hinterm-rosenbusch.html
- http://www.castor-und-pollux.de/2009/01/diy-moos-grafitti/
- http://www.environmentalgraffiti.com/featured/moss-grass-graffiti/2147
Kompost von Wiener Terrasse
Laut einer Untersuchung der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) sind “bis zu 60 Prozent des Restmüllaufkommens (in Wien) dem Bereich Ernährung zuzuordnen”. Die BOKU rechnet weiter, dass dies einer Menge von €100,- pro Kopf und Jahr entspricht. Und das, obwohl es die Biotonne gibt. Der darin gesammelte Biomüll (oder sollte man besser sagen Biorohstoff) wird einerseits in einer Biogasanlage verarbeitet, andererseits in einem Kompostwerk verarbeitet und dann auf den Wiener Mistplätzen wieder gratis zur Verfügung gestellt. Auch sehr praktisch.

Bokashi Kübel in unserer Küche
Ich habe allerdings vor 1,5 Jahren einen anderen Weg beschritten. Nachdem ich das Wort “Bokashi” zum ersten Mail gehört habe, wußte ich, dass unseren Haushalt kein Biorohstoff mehr verlassen muss. Eigentlich wollte ich mir ja aus 2 Malerkübeln selbst einen Bokashi-Kübel bauen. Da meine Frau aber kurz zuvor in Leo Hickmans Buch “Fast Nackt” über Wurmkomposter und dgl. gelesen hatte, entschied ich mich für die Profivariante bei vivanda.
Im letzten Frühjahr kam dann der Komposter auf die Dachterrasse. Seitdem verlässt der Biorohstoff unsere Wohnung einerseits als Ferment aus dem Bokashi, andererseits als unbehandelter Rohstoff direkt in den Komposter. Zuerst hatten wir noch zweifel wegen dem Geruch, da die verfügbare Fläche auf unserer Terrasse doch nur 30m² groß ist und auch dem Liegen auf der Wiese, dem Spielen der Kinder, dem gemütlichen Beisammensitzen, dem Grillen, … dient. Diese Zweifel haben sich aber schnell verflüchtigt. Ein konstanter Wind sowie die gute Durchlüftung des Komposters lassen üblen Geruch erst gar nicht entstehen. Einzig wenn der Bokashi-Kübel frisch entleert wurde gibt es einige Tage einen etwas säuerlichen Geruch. Da man mit der Entleerung aber nicht an einen bestimmten Zeitpunkt gebunden ist, kann man das auch machen, wenn man einmal ein Wochenende wegfährt.
Nach einem jahr Warten, konnte ich im Frühjahr 2011 den ersten Kompost ernten. Bei Sepp und Margit Brunner habe ich im Herbst zuvor noch 2 hilfreiche Dinge (neben vielen, vielen Anderen) gelernt:
- Der Reifetest für den Kompost: Kresse wächst gut auf reifem Kompost
- Wenn man Samenfreie Pflanzerde haben möchte, dann kann man das Gemisch aus je einem teil frischer Erde, Sand und Kompost in einem alten Dampfgarer erhitzen.
So einer stand doch tatsächlich bei meiner Mutter herum. Das Experiment ist zu 100% geglückt. Damit ist ein weiterer Schritt auf dem langen Weg in Richtung Selbstversorgung in der Stadt getan. Über die nächsten Schritte werde ich Kürze hier berichten.

Komposter auf der Dachterrasse in Wien

Kresse-Test für reifen Kompost

Die richtige Mischung für die Pflanzerde wird von meinem Sohn fachgerecht angerichtet ;-)

Der Tipp von Sepp Brunner für eine samenfreie Pflanzerde war sehr hilfreich
Ein wenig über den eigenen Gartenzaun blicken.
Think globally, act locally. Nicht nur eine Phrase - eine Lebensphilosophie


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