Nachfüllpackungen für Kräuter

Ich wünsche mir von den Herstellern biologischer Nahrungsmittel auch, dass sie einen Blick auf das Ganze werfen. Dazu gehören eben neben der biologischen Produktion des Produktes insbesondere auch die Verpackung und damit verbunden die Entsorgung und eigentlich auch der Vertriebsweg. Die Biofach 2011 in Nürnberg zeigt mir leider (wieder), dass diese Themen in der Biowelt von vielen nicht gleichwertig behandelt werden.

Viele Produkte werden in Einwegverpackungen angeboten. Das Thema Nachfüllpackungen habe ich für Kräuter etwas genauer unter die Lupe genommen. Die Auswahl der Anbieter bei dieser Produktgruppe war überschaubar. Ich habe mit Vertreterinnen und Vertretern von Herbaria, Sonnentor, Kräuter & GewürzZauber und Kräuter Mix gesprochen. Die Antworten waren durchaus sehr unterschiedlich und teilweise auch widersprüchlich.
Auslöser für meine Recherche war ein Gewürzsalz von Herbaria, das ich vor 2 Jahren von der Biofach mitgenommen habe. Wie das Bild unten zeigt  besteht das Produkt aus einer Aludose und einer darin verpackten Plastikdose in der sich dann das Kräutersalz befindet. Meine Vermutung von Anbeginn war, dass ich die Plastikdose nachkaufen kann und diese einfach wieder in die Aludose gebe. Ein Besuch beim Stand von Herbaria auf der Biofach 2011 hat mich eines Besseren (bzw. Schlechteren) belehrt.

Herbaria bietet trotz vorhandenem Inlet keine Nachfüllpackung an

Herbaria

Auf meine Frage nach Nachfüllpackungen erklärt mir der Vertreter von Herbaria, dass diese nicht angeboten werden, weil die Plastikverpackung als Aromaschutz nicht geignet ist. Nachfüllpackungen werden aber meist in einfachen Plastiktaschen mit einer möglichen Zusatzhülle beispielsweise aus Karton oder Papier angeboten (siehe Sonnentor). Die Aludose sei außerdem zu 98% recyclebar. Darauf, dass sie aus unterscheidlichen Komponenten besteht (Plastiksichtfenster und aufgeklebter Produktbeschreibung aus Papier) und der Energieaufwand beim Recycling von Aluminium nicht unbedenkklich ist, wird nicht weiter eingegangen. Herbaria hat auch keinerlei System, die Dosen selbst wiederzuverwerten.

Wie bereits geschrieben befindet sich in der Gewürzsalzdose eine weitere Dose aus Plastik. Dies wird damit begründet, dass im Salz ein gewisser Feuchtigkeitsanteil vorhanden ist und dieser zur Oxidation der Dose beitragen kann. Meine anschließende Frage war, warum man nicht die Plastikdose mit Etikett als Nachfüllpackung verkauft. Und hier kommt dann das Thema Marketing und Marke zur Sprache. Herbaria habe sich bewusst für die Aludose als Marke entschieden. Eine Nachfüllpackung in der Plastikdose, selbst wenn diese mit dem Etikett kaum sichtbar wäre, würde die Marke negativ beeinflussen.

Conclusio: eine andere Verpackung außer der Metalldose wird als ausreichender Aromaschutz bezweifelt. Dort, wo diese Verpackung dennoch eingesetzt wird (bspw. eben bei den Salzen), wird sie in einer Metalldose verpackt, die als Markenzeichen für Herbaria steht.

Sonnentorkräuter in der Dose plus Nachfüllpackung

Sonnentor

Bei Sonnentor sieht man das Thema Aromaschutz etwas anders. Produkte in der Aludose werden mit Nachfüllpackungen in gleicher Mengengröße angeboten. Diese sind in kompostierbarem Kunststoff und einem Karton mit Sichtfenster verpackt. Der Vertreter von Sonnentor erklärt dazu, dass das Aroma für die etwa 2 jährige Haltbarkeit der Produkte auch geschützt ist. Wichtig ist natürlich die Lagerung. Das betrifft aber natürlich auch die Kräuter in anderen Verpackungen. Sonnentor gehe damit bewusst einen sehr konsequenten Weg, so der Vertreter. Die Verpackung dient der Marke genau wie bei Herbaria. Die Marke soll aber auch konsequent mit einem ressourcenschonenden Umgang mit unserer Umwelt verbunden werden. Auch das Problem mit der Oxidation wird bei Sonnentor offensichtlich anders bewertet. Bei der Lagerung sei nämlich vor allem auf die äußere Feuchtigkeit zu achten.

Kräuter & GewürZauber

Rita Schmid geht mit ihren neu am Markt verfügbaren Produkten ebenfalls einen sehr konsequent nachhaltigen Weg. Ihre Kräuter sollen eine weitere Nische bedienen. Sie werden in Mengen von 15g verkauft und sollen daher besonders Single-Haushalte mit immer frischen Kräutern versorgen. Zu kaufen gibt es sie vorwiegend in München. Die Produkte werden derzeit noch ohne Nachfüllpackung verkauft, da man sie erst auf dem Markt positionieren muss. Die Nachfüllung ist aber geplant und auch in der Verpackung will man konsequent ölologisch bleiben.

Kräuter Mix

Kräuter Mix beliefert Hersteller mit Großpackungen. Einige dieser Großpackungen sind als Mehrwegverpackungen wieder verwendbar. Das Thema Aromaschutz durch Plastik wird differenziert gesehen. Eine Metallverpackung ist sicher der beste Schutz. Da Kräuter Mix eine Haltbarkeit von 4 Jahren gewährt sind aber auch die Plastverpackungen telweise sehr aufwendig und daher aromasicher.

NaKU

Wenn schon soviel von Verpackung und Plastik die Rede war, musst ich zuletzt natürlich auch noch zum Stand von NAKU. Die aromageschütze Verpackung durch den natürlichen Kunststoff glaubt man auch hier gewährleisten zu können. Dass bei einigen Kräutern zusätzlich eine (Alu)Schicht eingefügt werden muss, wie man es bei Getränkeverpackungen auch kennt, ist aber möglich. Mit einem dezenten Hinweis auf Probleme mit Bisphenol A wird zum Abschluss noch einmal die Frage gestellt, ob man dem Aromaschutz nicht andere potentielle Gefahrenquellen unterordnet.

Bei der nächtlichen Heimfahrt mit der U-Bahn vom Bloggertreffen erklärt mir ein Bloggerkollege dann noch, dass das meiste Aroma bereits bei der Verarbeitung der Kräuter verloren geht, insbesondere, wenn diese gemahlen werden. Aromaschutz hin oder her also. Das große Ganze im Sinne eines zukunftsorientierten, ressourcenschonenden Umgangs im Auge zu behalten ist ncht einfach.

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